Deutsche Bahn in der Krise: Züge unpünktlich und Infrastruktur veraltet

Die Deutsche Bahn steckt in einer tiefen Krise. Immer häufiger kommt es zu verspäteten Zügen und Ausfällen, die Infrastruktur ist vielerorts marode. Trotz geplanter Reformen steigen die Kosten und der öffentliche Druck nimmt zu.

Direkte Zugverbindungen von Deutschland in die Schweiz? Früher gab es über 40. Heute enden viele davon bereits in Basel. Dort müssen Fahrgäste auf Schweizer Züge umsteigen. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) begründen das so: Seit 2022 kommen deutsche Züge regelmäßig verspätet an. Um die Schweizer Fahrpläne zu schützen, wird ein Umstieg notwendig. Auf anderen Strecken hofft man weiterhin, dass Verspätungen unter 10 bis 15 Minuten bleiben – sonst gilt auch dort: Umsteigen.

Während in der Schweiz rund 98 bis 99 Prozent der Züge pünktlich sind, schafft es die Deutsche Bahn seit 2022 auf nur etwa 62 Prozent. Und das, obwohl in Deutschland ein Zug noch als pünktlich gilt, wenn er bis zu sechs Minuten verspätet ist. Ausfälle, verfrühte Fahrtabbrüche und chaotische Umstände bei Hitze, Kälte oder Streiks sind keine Seltenheit. Vergleichbar schlechte Werte hat in Europa nur noch Italien.

Fahrgäste benötigen Geduld und starke Nerven. Verspätungen von mehreren Stunden sind häufig. 2024 musste die DB fast 200 Millionen Euro an Entschädigungen zahlen – rund 70 Millionen mehr als im Jahr zuvor.

DB-Chef Richard Lutz räumte im Mai 2025 ein: „Wir erleben die schwerste Krise der letzten drei Jahrzehnte.“ Seit 2017 leitet er den Konzern, doch die erhoffte Wende blieb aus. Die Bahn sei weit entfernt von ihren Zielen und von dem, was Kundinnen und Kunden erwarten.

Das Schienennetz der DB umfasst rund 33.500 Kilometer. Als staatliches Unternehmen ist die Bahn auf Fördermittel angewiesen. Doch über viele Jahre wurde die Infrastruktur vernachlässigt. Viele Anlagen stammen noch aus dem 19. Jahrhundert, sind abgenutzt oder veraltet und kaum kompatibel mit digitaler Technik, die zukünftig Standard sein soll.

Größtes Bauprojekt der Bahn gestartet

2024 begann die Bahn mit einem großangelegten Sanierungsprogramm. Fokus liegt auf 41 Hauptverbindungen mit einer Gesamtlänge von 4.200 Kilometern. Den Anfang machte die sogenannte Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Die 70 Kilometer lange Strecke war für ein halbes Jahr komplett gesperrt. Gleise, Weichen, Oberleitungen, Bahnhöfe und Signaltechnik wurden erneuert. Auch Lärmschutzmaßnahmen wurden umgesetzt. Besonders aufwendig war der Einbau der digitalen Technik – die Kosten verdoppelten sich auf über 1,5 Milliarden Euro.